"Spätestens seit seinem aufsehenerregenden Erfolg bei der Schubertiade Hohenems (1993) ist offenbar, dass der deutsche Bariton einen Platz in der vordersten Reihe der Liedersänger innehat. Roman Trekel ist kein Tüftler, kein Säusler, kein Mystiker, er singt frischweg, aus vollem Herzen, mit sprühend-lebhaftem Vortrag und klangvoller, kerniger Stimme. Sein großes vokales Plus besteht darin, dass er bruch- und mühelos vom kraftvoll-maskulinen Gesangston in ein weiches Kopfregister überwechseln kann, ein Vorzug, der ihm beispielsweise bei Schuberts Fischerweise (einem Lied, das gewissermaßen aus zwei Etagen besteht) sehr zustatten kommt. Die Stimme ist von bedeutendem Umfang, sie lässt in diesem Liedprogramm die Spanne von mehr als zwei Oktaven vernehmen. Dem Sänger ist es dadurch möglich, lagenmäßig differenzierte Schubert-Lieder wie Auf der Bruck und Der Wanderer in der originalen Notation vorzutragen. Sehr eindrucksvoll gelingen die Vier ernsten Gesänge von Brahms: ergreifend in der schlichten, unpathetischen, überaus eindringlichen Darstellung. Mit einer Auswahl aus den Chansons von Henri Duparc beweist der Sänger, dass ihm auch in der französischen Liedkunst ein weites Feld offensteht. Das feinfühlige Klavierspiel des Begleiters Oliver Pohl ist am hohen künstlerischen Rang der Aufnahme maßgeblich beteiligt.“
Klassik Heute Juli 2001
