
Der Mitschnitt einer konzertanten Aufführung aus Halle, den cpo jetzt veröffentlicht, macht Lust, das Werk auch auf der Bühne kennenzulernen. Denn in dieser Oper zeigt
sich Siegfried Wagners Begabung fürs Theater ganz deutlich. Die Musik ist nicht sinfonisch, sondern immer szenisch konzipiert, und es spricht sehr für diese Aufführung, daß sie auch die visuelle Phantasie des Hörers anregt. Der Dirigent Roger Epple findet mit dem bestens disponierten Orchester die richtige Balance zwischen dramatischem Vorwärtsdrängen und klangsinnlichem Verweilen.
Die Sängerbesetzung ist durchweg überzeugend. Roman Trekel ist als Kaiser Alexios nicht nur brutaler Libertin, sondern zugleich schüchterner Liebhaber mit bestrickendem Bariton-Schmelz, Eva Bátori deckt mit sinnlich gleißendem Zwischenfachsopran das vulkanische Innenleben der jungfräulichen Iris auf und Richard Brunners dramatischer Tenor hat auch Farben für die vielen schwachen Seiten des Antihelden Fridolin. Ein gestalterisches Kabinettstück ohne Outrage bietet der Tenorbuffo Niels Giesecke als Hofnarr Gomella.
Ekkehard Pluta
(09.12.2005)